Psychischen Erkrankungen liegen in der Regel traumatische Erfahrungen und/oder seelische Verstrickungen zugrunde. Manche Traumaerfahrungen, die zu psychischen Verletzungen führen, können bereits in der Eltern- oder Großelterngeneration gemacht worden sein und die Kinder und Enkelkinder noch belasten.
Über die Störungen des Bindungsprozesses zwischen Eltern und Kindern wird die Anfälligkeit für psychische Krankheiten in der Familie weitergegeben. Familienaufstellungen können diese Zusammenhänge aufdecken und heilsame Prozesse in Gang bringen. Der Autor begibt sich auf die Suche nach den Ursprüngen panischer Ängste, Depressionen, Psychosen und Persönlichkeitsstörungen. Das Konzept der Bindung, der Begriff Trauma und das Verfahren der Familienaufstellung haben sich dabei als hilfreich erwiesen.
Vanessa suchte ursprünglich wegen beruflicher Probleme therapeutische Unterstützung. Wie sich allmählich herausstellte, hatten diese Probleme ihren emotionalen Ursprung in ihren frühen Kindheitserfahrungen. Es gab unter anderem Hinweise auf mögliche sexuelle Übergriffe. Wie es sich in mehreren Aufstellungen andeutete, hatte vermutlich auch ihre Mutter sexuelle Übergriffe durch Ihren Vater erlebt. Als diese Zusammenhänge deutlicher wurden, war die Patientin in der Lage, den seit Jahren von ihr abgebrochenen Kontakt zu ihrer Mutter wieder aufzunehmen. Es kam zu einer Annäherung, die Beziehung blieb aber nach wie vor spannungsreich und für die Patientin unbefriedigend und verwirrend. Auf Wunsch der Patientin telefonierte ich mit ihrer Mutter. In diesem Telefonat bildete sich bei mir der Eindruck, dass die Mutter aufgrund ihrer Schuldgefühle nicht zugänglich ist und der Auseinandersetzung mit ihrer eigenen psychischen Problematik aus dem Weg geht. Vanessa machte eine weitere Aufstellung, in der sich zeigte, dass möglicherweise die Mutter der Mutter das Kind aus einer Inzestbeziehung zwischen ihrem Vater (Urgroßvater der Patientin) und seiner Tochter ist. Als dieses Geheimnis am Licht war, kam es in dieser Aufstellung zu einer intensiven Begegnung zwischen der Patientin, der Stellvertreterin für ihre Mutter und der Stellvertreterin der Großmutter. Einige Monate später teilte Vanessa mir Folgendes mit: "Es war heute eine sehr gute Begegnung mit meiner Mutter. Es hat sich bei ihr viel verändert. Sie hat mittlerweile selbst aufgestellt und das gesehen, was sich auch in meinen Aufstellungen zeigte. Und sie sah nicht nur die vielen Probleme, sondern auch, dass ich, bzw. die Stellvertreterin, von mir total positiv auf sie zugegangen bin. Ich hatte den Eindruck, dass diese Erfahrung mit dem Aufstellen für Sie sehr wichtig war. Ich konnte ihr dann auch alles erzählen, was in meinen Aufstellungen ans Licht gekommen ist. Sie hat alles sehr ruhig und interessiert aufgenommen. Durch das Ansprechen der Geheimnisse ist unser Mutter-Tochter-Verhältnis zwar nicht spannungsfrei, aber natürlicher geworden."
Qelle: Franz Rupert, Trauma, Bindung und Familienstellen.
Seelische Verletzungen verstehen und heilen.
Prof. Dr. Franz Ruppert ist Diplom-Psychologe, Professor für Psychologie an der FH München und psychologischer Psychotherapeut.
Die Familientherapeutin Petra Bartosch, Bad Oldesloe, bietet zur Thematik eine Telefonsprechstunde an. Dienstags zwischen 13.00 und 14.00 Uhr können Sie unter der Telefonnummer 04531-7901 Ihre Fragen stellen. Alternativ und/oder ergänzend sind Gäste in den monatlich stattfindenden Seminaren willkommen. Nähere Informationen dazu auch unter www.mit-dem-leben-gehen.de