Psychologie

Fotonachweis: Petra Bartosch, privat

Stellvertreter-Erfahrungen

Petra Bartosch, Familien- und Traumatherapeutin praktiziert in Bad Oldesloe in eigener Praxis. Die ausgebildete Systemtherapeutin & Heilpraktikerin (seit 1998) führt seit vielen Jahren Familienaufstellungen in Seminaren und in Einzelsitzungen durch. Um die Privatsphäre Ihrer Klienten zu schützen, wird die Praxis des Familienstellens aus dem Buch von Prof. Dr. Ruppert vorgestellt. Petra Bartosch hat bei ihm bereits mehrfach Fortbildungen besucht.

Bernhard schreibt über seine Erfahrungen als Stellvertreter: "Ich habe aus den Familienaufstellungen viel für mich gewonnen und mich dann für mich selbst damit weiter beschäftigt. Das eine war zu sehen, was es bei mir macht, wenn ich das Gefühl habe, es liegt immer alles bei mir, um eine schwierige Dynamik aufzulösen: Ich bin damit überfordert. Das andere war, auch Missbrauchsdynamiken zu sehen und zu verstehen. Einmal war ich der Sohn einer Frau, die für diesen und dessen Psychose Hilfe gesucht hat. Es kam ganz klar heraus, dass es an ihr lag. D. h., wenn sie sich mit sich selbst auseinander setzt und sich dem Sohn zeigt, dann kann es diesem besser gehen. Das war auch mein einziges Anliegen in dieser Rolle. So wie es sich in der Realität dann auch zugetragen hat."

Beschreibung des Aufstellungsprozesses durch Prof. Dr. Franz Ruppert: Wenn mir das Anliegen einer Patienten hinreichend klar geworden ist und für eine Aufstellung geeignet erscheint, frage ich den Teilnehmer nach den wesentlichen Ereignissen in seinem Familiensystem, die nach meiner Erfahrung mit einem solchen Anliegen in Verbindung stehen könnten. Dieses Fragen ist einerseits offen für das, was vom Teilnehmer kommt, und andererseits theorie- und hypothesengeleitet. Ich frage mich innerlich, welche gestörten Bindungen und welche traumatischen Ereignisse könnten zu dem Problem und den Symptomen des Patienten geführt haben? Wenn sich so allmählich in mir ein Gefühl entwickelt, was wesentlich sein könnte, schlage ich dem Patienten vor, mit welchen Personen oder Symptomen er die Aufstellung beginnen soll. In der Regel nenne ich zunächst nur wenige Personen oder Symptome. Es sind in den meisten Fällen der Patient selbst und das Symptom, das aktuell am stärksten im Vordergrund steht (z. B. seine Angst). Legt man die Traumatheorie zugrunde, ist das Symptom ein abgespaltener Anteil der psychischen und seelischen Struktur des Patienten. Alle Personen, die aufgestellt werden, sind meiner Annahme nach die Widerspiegelungen der realen Personen in der Seele des Patienten bzw. die Widerspiegelung seiner Bindungsbeziehungen zu ihnen. Der Patient sucht sich also Personen aus dem Kreis der anderen Teilnehmer aus und positioniert sie nach seinem Gefühl im Raum. Was er äußerlich festlegen kann, sind die Richtung, in welche die Stellvertreter blicken, und ihr Abstand zueinander. Er soll ihnen nur einen Platz im Raum zuweisen, keine Gesten oder Körperhaltungen. Gewöhnlich warte ich dann so lange, bis die Stellvertreter in ihren Rollen "angekommen" sind und sich entweder von selbst im Raum bewegen oder eine Mitteilung machen, wie es ihnen geht. Aus den Äußerungen und Bewegungen der Stellvertreter formt sich für mich ein erstes Bild über die seelische Dynamik des Problems. Ich greife die mir wesentlich erscheinenden Äußerungen der Stellvertreter auf und schlage dem Patienten vor, weitere Personen, Gefühle oder psychische Phänomene in die Aufstellung zu bringen und durch Stellvertreter aus der Gruppe repräsentieren zu lassen. Warum und wann ich auch Gefühle oder teilweise sogar minimale psychische Strukturen duch Stellvertreter in einer Aufstellung darstellen lasse, hängt mit der Art des Problems zusammen. Wenn ich erkenne, dass einer der Stellvertreter in einen traumaähnlichen Zustand kommt, versuche ich dieses Trauma Schritt für Schritt auszuloten, indem ich die verschiedenen abgespalteten Facetten des Traumas durch Stellvertreter sichtbar mache und den ich damit in einen Veränderungsprozess bringe. Den alten und neu hinzugekommenen Stellvertretern steht es jederzeit frei, Äußerungen oder Bewegungen zu machen. So entwickelt sich die Aufstellung zu einem Punkt, an dem der seelische Kernkonflikt deutlich sichtbar wird, der dem Anliegen des Patienten zugrunde liegt. Jetzt beginnt die Arbeit, die Aufstellung in Richtung der Lösung für das Anliegen zu bringen. Dazu lasse ich den Patienten auch Stellvertreter für Ressourcen auswählen. Ressourcen für seine Eltern oder Großeltern, Ressourcen für sich selbst. Dazu verwende ich u. a. die hypnotherapeutische Technik, die Ressource nicht direkt, sondern nur als allgemeine Formel zu benennen, z. B.: "Das, was jetzt hilft". Damit wird der Patient von analytischen Überlegungen weggeführt und kann das ganze Potential seiner Psyche nutzen. Also auch das, was sein Gefühl schon längst weiß, bevor es sein Verstand bewußt realisiert.

Quelle: Franz Ruppert, Trauma, Bindung und Familienstellen.

Die Familientherapeutin Petra Bartosch bietet zur Thematik eine Telefonsprechstunde an. Dienstags zwischen 13.00 und 14.00 Uhr können Sie unter der Telefonnummer 04531-7901 Ihre Fragen stellen. Alternativ und/oder ergänzend sind Gäste in den monatlich stattfindenden Seminaren willkommen. Nähere Informationen dazu auch unter www.mit-dem-leben-gehen.de

Red.KleinerBuddha | 09.01.2011

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